Mitarbeiterzufriedenheit: So wird Employee Experience zum Erfolgskonzept

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Kontaktbeschränkungen, Homeoffice, virtuelle Meetings. Das Corona-Jahr 2020 war für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen eine immense Herausforderung. Und trotzdem hat sich die Mitarbeiterzufriedenheit im Vergleich zu 2019 deutlich verbessert. Was Firmen jetzt tun sollten, um die Employee Experience in den nächsten Monaten weiter voranzubringen.

Schon seltsam: Etliche Unternehmen kämpfen aufgrund der Corona-Pandemie ums Überleben, Märkte geraten ins Straucheln geraten, der Kampf gegen das Virus hält die Welt in Atem. Und doch verbessert sich das Engagement der Mitarbeiter in den Unternehmen spürbar.

So fühlten sich laut einer Gallup-Studie in der ersten Phase der Corona-Pandemie in ihrem Betrieb so stark eingebunden, wie schon lange nicht mehr. Obwohl das Virus den (Arbeits-)Alltag der Menschen bis heute nachhaltig bestimmt, tut dies dem Aufschwung der Employee Experience keinen Abbruch.

Das ist auch das Ergebnis einer aktuellen Qualtrics-Umfrage unter knapp 12.000 Vollzeitbeschäftigten aus 20 Ländern. Demnach verbesserte sich das Mitarbeiterengagement im Gesamtjahr 2020 um erstaunliche 13 %.

2019 fühlte sich gerade einmal jeder Zweite (53 %) seinem Unternehmen verbunden. Nun geben inzwischen zwei Drittel (66 %) an, dass sie ihrem aktuellen Arbeitgeber die Treue halten wollen.

Mitarbeiterzentrierung setzt sich zunehmend durch

Das mag einerseits daran liegen, dass in Krisenzeiten die Angst vor Kündigungen wächst und Beschäftigte den Sprung ins Ungewisse – sprich den Jobwechsel – lieber vermeiden. Die Qualtrics-Studie führt das höhere Mitarbeiterengagement aber auch auf eine bessere Unterstützung durch die Führungskräfte, eine vertrauenswürdigere Kommunikation sowie die fortschreitende Mitarbeiterzentrierung in den Betrieben zurück.

Immerhin gaben der Studie zufolge fast drei Viertel (73 %) der befragten Angestellten an, dass sie ein Verbundenheitsgefühl zu ihrem Unternehmen empfinden. Bislang galten vor allem interessante Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten (60 %) sowie ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Führungskräften (53 %) als unverzichtbare Grundlagen für hohe Mitarbeiterbindung und -engagement.

Angesichts der globalen Corona-Krise, Klimawandel und der wieder aufgeflammten Rassismus-Debatte sind inzwischen aber weitere Faktoren aufgetaucht. Und diese haben sich global als stärkste Treiber für das Mitarbeiterengagement herauskristallisiert: Zugehörigkeitsgefühl und Nachhaltigkeit.

Mitarbeiter möchten, dass das, wovon sie ein Teil sind, einen positiven Einfluss auf die Welt hat“, verdeutlicht Qualtrics-Analystin Lindsay Johnson. Sie empfiehlt Unternehmen deshalb, diese Ideale zum integralen Bestandteil jeder Mitarbeitererfahrung zu machen.

Employee Experience: Diese Aspekte gehören jetzt auf die Agenda

Darüber hinaus sollten Unternehmen aus Sicht von Qualtrics im kommenden Jahr vor allem folgende Aspekte in den Fokus ihrer Employee Experience-Bemühungen stellen.

Angenehmes Arbeitsklima schaffen

Mitarbeiter wünschen sich Wertschätzung, Mitspracherecht und moderne Arbeitsbedingungen. Wer dies ignoriert, riskiert unzufriedene Mitarbeiter, sinkende Produktivität und Fluktuation. Während Führungskräfte diesbezüglich laut Qualtrics-Studie weniger zu bemängeln haben, lässt das Wohlbefinden der breiten Belegschaft vielerorts noch zu wünschen übrig. Hier gilt es bedarfsgerecht gegenzusteuern.

Einen Königsweg hin zu einem höheren Mitarbeiterengagement gibt es allerdings nicht. Vielmehr gilt es, entsprechende Maßnahmen an den individuellen Bedürfnissen und Wünschen der einzelnen Beschäftigten auszurichten.

Mitarbeiter-Feedback umsetzen

Das setzt allerdings voraus, dass diese Ansprüche auch bekannt sind. Und genau das ist bislang längst nicht überall der Fall. Aktuell holt gerade einmal jedes zweite Unternehmen regelmäßig Mitarbeiterfeedback ein. Und selbst dort ist eine ständige Rückkoppelung allenfalls ein erster Schritt auf dem langen Weg zu einer erstklassigen Employee Experience.

Denn den Worten müssen auch Tagen folgen: Obwohl neun von zehn Beschäftigten es wichtig finden, dass ihr Unternehmen das Mitarbeiterfeedback berücksichtigt, glauben nur 7 % der von Qualtrics Befragten, dass ihre Rückmeldungen tatsächlich etwas bewirken. Anders gesagt: Um Feedback zu bitten, ist zweifellos wichtig. Noch wichtiger ist aber, etwas daraus zu machen. Diese Lücke zu schließen, sollte eine Priorität im Jahr 2021 sein.

Führungskräfte befähigen

Vorgesetzte spielen bei der Förderung von Engagement, Wohlbefinden, Zugehörigkeit und Resilienz der Mitarbeiter eine überaus wichtige Rolle. Daran wird sich auch 2021 nichts ändern. Das Problem: Der direktive Führungsstil, der hierzulande nach wie vor weit verbreitet ist, stößt bei den Mitarbeitern in der Regel auf wenig Gegenliebe.

Nur wenn Führungskräfte eingetretene Pfade verlassen und sich für kooperativen Führungskonzepte öffnen, kann wirkliche Employee Experience gelingen. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihren Führungskräften die Unterstützung bieten, die diese brauchen, um das Mitarbeitererlebnis ihrer Teams zu verbessern.


Warum Unternehmen die Employee Experience in den Fokus rücken sollten, können Sie auch im Top-Artikel des SAP News Centers im Jahr 2020 nachlesen. Er stammt aus der Feder unserer CXOBlog-Autorin Kirsten Schmidt und führt aus gutem Grund das Ranking an.

Über Kai Stübane 20 Artikel
Kai Stübane ist seit Anfang 2020 bei SAP Leiter des Vertriebs für SAP Customer Experience (CX) in Mittel- und Osteuropa (MEE). Von 2011 bis Mitte 2017 war er bei SAP in verschiedenen Positionen für den Vertrieb auf dem deutschen Markt verantwortlich und übernahm danach die Verantwortung für den Vertrieb verschiedener strategischer Cloud-Lösungen in der MEE-Region. Er wurde 1980 in Berlin geboren und arbeitete nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft in Berlin mehrere Jahre als Wirtschaftsprüfer und Berater bei der PricewaterhouseCoopers AG.