Christmas-Shopping 2020: Rettet das Online-Weihnachtsgeschäft den Einzelhandel?

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Es gibt eine gute Nachricht für den Handel: Die Mehrzahl der Verbraucher will sich nach aktuellem Stand Weihnachten von Corona nicht verderben lassen – und deshalb auch nicht an Geschenken sparen. Allerdings verlagern viele Verbraucher ihren vorweihnachtlichen Einkaufsbummel ins Internet. Was Einzelhändler jetzt tun können, um ihr Geschäft zu den Feiertagen anzukurbeln.  

Steigenden Infektionszahlen und Kontaktbeschränkungen zum Trotz lassen sich die Deutschen die Freude am Schenken zu Weihnachten nicht nehmen: Deshalb werden im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf deutschen Gabentischen auch in diesem Jahr nicht wesentlich weniger Präsente liegen als sonst.

Laut einer Studie von Rakuten Advertising planen 85 Prozent der Verbraucher keinerlei Einsparungen beim Weihnachtsshopping. Demnach will rund jeder zweite (53 Prozent) für Geschenke in diesem Jahr genauso viel ausgeben wie 2019, jeder Dritte (32 Prozent) sein Budget sogar aufstocken.

Trotzdem sieht der Handelsverband Deutschland (HDE) keinen Grund zur Entwarnung: „Der Einzelhandel als Kernbranche vitaler Innenstädte steht in Folge der Corona-Krise in vielen Fällen vor der Insolvenz“, warnte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth kürzlich beim Runden Tisch zur Lage der Innenstädte im Bundeswirtschaftsministerium. Seine Befürchtung: Am Ende der Krise könnten bis zu 50.000 klassische Geschäfte vom Markt verschwunden sein.

Daran wird auch die hervorragende Kauflaune der Konsumenten in der Vorweihnachtszeit nur wenig ändern. Denn viele Kunden wollen ihre Weihnachtseinkäufe in diesem Jahr vom Sofa aus erledigen. Das ist ein Ergebnis des vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH KÖLN) bereits zum fünften Mal durchgeführten Corona Consumer Check.

Demnach rechnen 77 Prozent der deutschen Verbraucher damit, dass die komplette Weihnachtszeit durch die Corona-Pandemie geprägt sein wird. 41 Prozent der Befragten wollen deshalb den Großteil der Weihnachsteinkäufe online tätigen. „Der Onlinekanal ist nach wie vor Gewinner der Coronakrise – auch im Weihnachtsgeschäft“, so das Resümee der Kölner Marktforscher. Die „Smart Shopper“-Studie von Google und Kantar kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach sollte der Handel im Weihnachtsgeschäft vor allem folgende Aspekte ins Auge fassen:

  • Omnichannel-Services
    Konsumenten shoppen vermehrt im Internet – vor allem unterwegs. So wurden seit Start der Corona-Pandemie vermehrt Shopping-Apps heruntergeladen, insgesamt ein Viertel der Online-Einkäufe über Mobiltelefone getätigt. Vor allem Gebrauchsgüter landen im virtuellen Einkaufswagen: 23 Prozent der Befragten kaufen diese ausschließlich oder bevorzugt online. Und für 70 Prozent der Befragten macht es keinen Unterschied mehr, ob sie online oder offline kaufen. Händler, die Off- und Online-Angebote verzahnen und Kunden beispielsweise Reservierungs- oder Click&Collect-Services bieten, werden im Weihnachtsgeschäft und darüber hinaus die Nase vorn haben.
  • Online-Content
    76 Prozent der Kunden suchen inzwischen online nach Gebrauchsgütern und Informationen. Heißt konkret: Produkte, die später im stationären Handel über den Ladentisch gehen, wurden häufig zuerst im Web entdeckt. Für Einzelhändler eröffnen sich so zahlreiche Möglichkeiten, mit Kunden in Kontakt zu treten. Denn wer Informationen, Beschreibungen, Bilder und Videos zu und von seinen Produkten online bereitstellt, unterstützt die potenziellen Kunden bei ihrer Online-Recherche – und erhöht so die Chance, dass die im Internet begonnene Customer Journey bei ihm an der Ladenkasse endet.
  • Passgenaue Angebote
    Ob online oder offline: Shoppen macht Spaß, inspiriert, zerstreut und ist für viele auch eine persönliche Belohnung in harten Zeiten. Die zunehmende Umorientierung der Verbraucher in Richtung E-Commerce bietet für Händler viele spannende Chancen zum Gewinnen neuer Kunden. Denn obwohl viele Verbraucher ihren vertrauten Einzelhändlern gerade in Krisenzeiten die Stange halten, sind sie durchaus auch offen für Neues: 20 Prozent zeigen sich neuen Marken, Plattformen und Händlern gegenüber aufgeschlossen. Daten und Insights zu Trends helfen herauszufinden, welches Angebot sich zu welchem Zeitpunkt an welcher Stelle besonders gut zu Käufen konvertieren lässt.
  • Silver Surfer
    Die besonders kaufkräftige Generation der Silver Surfer, also der über 55-jährigen Konsumenten, ist inzwischen nicht nur internetaffin, sondern besonders empfänglich für Werbung. 14 Prozent von ihnen wurde laut der Studie durch eine Werbemaßnahme zum Kauf eines Produktes animiert. Mit passgenauen Angeboten und Anzeigen können Händler dieses attraktive Kundensegment entsprechend gut für sich gewinnen.

Also: Trotz der schwierigen Lage gibt es Hoffnung für den Einzelhandel. Und eines ist auch klar: Viel Zeit sich fit zu machen, bleibt nicht mehr. Denn die Saison 2020 beginnt deutlich früher als in der Vergangenheit.

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Bernhard Müller-Hildebrand
Über Bernhard Müller-Hildebrand 10 Artikel
Bernhard Müller-Hildebrand ist Fachjournalist in Düsseldorf und spezialisiert auf die Themen Digitalisierung, Customer Experience und Internet oft Things. 1990 hat er conosco, Agentur für PR und Content mitbegründet.